Zum letzten Mal…


Liebe Leunaer,

werden Sie vielleicht in diesem Jahr auf der alten Rollschuhbahn das Walpurgisfeuer erleben können. Zum letzten Mal: Feuer, Musik, Tanz, Essen und Trinken.

Vor einiger Zeit gab es Nachfragen wegen gestiegener Preise. Die Stadtverwaltung wollte die Standmiete erhöhen, falls ich mich recht erinnere, sogar verdoppeln. Nun, die Bier- und Würstchenverkäufer werden es verkraften und die gestiegenen Kosten gerne an Sie weiterreichen. Alles zum Wohle der Stadt. Aber, vielleicht soll es Sie abschrecken, im nächsten Jahr wieder dorthin gehen zu wollen.

Unsere Stadtverwaltung plant nämlich Großartiges, den ökologischen Stadtumbau. Die grün-woke Welle ist auch nach Leuna übergeschwappt. Die Stadt muss grüner werden. Auch ohne die Grünen. So hat es der Stadtrat beschlossen, wie üblich mehrheitlich, den Bürgermeisterfraktionen sei Dank.

Sie fragen sich, was haben grüne Ideologie und Walpurgisfeuer miteinander zu tun? Auf den ersten Blick gar nichts, möchte man meinen. Vielleicht ist wegen des Feuers und des Rauchs oder des CO₂ oder der brütenden Piepmätze am Saalealtarm? Da liegen Sie falsch.

Es geht um das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept, abgekürzt ISEK, in seiner neuesten Fassung. Von der Verwaltung beauftragt, von einem externen Büro verfasst und von dessen Chef unter Beachtung des „gender Mainstreaming“ präsentiert.* Trotz eklatanter sachlicher Fehler wurde es vom Bauamt befürwortet und, wie sollte es anders sein, vom Stadtrat abgesegnet. Entweder hat das Papier keiner gelesen oder es bestehen erhebliche Zweifel an der Intelligenz derjenigen, die so etwas beschließen.

In der Stadt gibt es zu viele versiegelte Oberflächen (Straßen, Parkplätze, Fußwege, Radwege…), Flächen, die gepflastert, asphaltiert oder betoniert sind. Und es gibt es zwei ganz besonders schlimme Stellen in Leuna, die quasi sofort bearbeitet werden müssen, sonst drohen uns Klimaüberhitzung und Hitzetod.

Falls Sie gerade an Saalepark oder Haupttorplatz gedacht haben, liegen Sie schon wieder falsch.

Es sind der Pfalzplatz und die alte Rollschuhbahn. Die dringlichsten klimapolitischen Ziele unserer Verwaltungsspitze. Der Pfalzplatz soll noch in diesem Jahr umgebaut werden. Dort müssen Grünflächen entstehen. Also den intakten Asphalt runter und ein paar Grünflächen her. Was genau, Beete, Bäume, Rasen… steht noch nicht fest, aber das Geld ist bereits verplant. Natürlich keine Peanuts, sondern nur ein paar hunderttausend Euro.

Und die Rollschuhbahn? Sie soll verschwinden. Mehrfach wird in der Studie darauf hingewiesen, dass sie „entsiegelt“ werden muss. Schöne Umschreibung für Abriss. Das Regenwasser hat gefälligst direkt zu versickern. Es darf nicht beim Versickern behindert werden. Jetzt fließt es über die Betonfläche und versickert am Rand derselben. Welch ein Schaden für die Natur!

Dass derzeit bei jedem stärkeren Gewitterguss Leunas Kanalisation überläuft und sich die ganze Sch… auf der alten Rollschuhbahn sammelt, bevor sie in den Saalealtarm abfließt, stört hingegen nicht. Ein weiteres Vorhaben im ISEK ist doch die „Einleitung von Abwasser von der Klärgrube in den Saalealtarm“.* Das Ziel hat man schon erreicht. Oder haben die Verantwortlichen etwas überlesen?

Wichtig ist, die Studie war schön teuer. Ich hatte nachgefragt. Die Antwort: 30.000 Euro.* Ob mit oder ohne Umsatzsteuer, ich zu fragen vergaß, tippe aber auf letzteres.

Also genießen Sie Ihren Tanz in den Mai auf der alten Rollschuhbahn. Vielleicht zum letzten Mal.

Und freuen Sie sich auf Umleitung, Ampelregelung, Lärm und Dreck beim Umbau des Pfalzplatzes. Alles zum Wohle der Menschheit! Dafür muss man Opfer bringen. Und natürlich bezahlen.

Udo Bilkenroth

PS: Es gibt wichtigeres zu tun, als den Pfalzplatz umzubauen. Es gibt genügend marode Straßen in der Kernstadt. Und sie liegen auch gleich in der Nähe: Sachsenplatz, Sachsenstraße, Rathausstraße… Auch die Merseburger Straße, für alle, die es nicht wissen, das ist die Straße rechts und links vom Pfalzplatz, gilt laut ISEK als „städtebaulicher Missstand“.* Nur, dort etwas zu tun, kommt natürlich nicht in Frage. Hierfür ist kein Geld da.

* Sämtliche Quellen beim Autor.


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