„Geschenke“ aus Magdeburg


Die hiesige Tageszeitung lese ich seit Jahren nicht mehr. Genau das Gegenteil von „so viel Spaß für wenig Geld“…

Dem gleichgeschalteten Anzeigenblatt am Sonntag kann man sich nicht so recht entziehen. Meist irgendeine belanglose Titelgeschichte, etwas Passendes zur Jahreszeit, gefolgt von Reklame für alles Mögliche, zwei, drei Seiten Todesanzeigen und zum Schluss Werbung für Senioren-Kreuzfahrten.

Ich mag es, wenn die Reihenfolge stimmt. Also erst die Kreuzfahrt, dann …

Jetzt ist Wahlkampf. Die Schicksalswahl!!! Da muss auch das Anzeigenblatt mitmachen. Also druckt man Bilder und Artikel von, mit und über die regierende Partei. Ganz neutral versteht sich! Am vorletzten Sonntag, am letzten Sonntag, am nächsten…

Sie haben bestimmt schon von den 3 heiligen Königen aus dem Morgenland, manche sprechen von den 3 Weisen aus dem Osten, gehört. Biblische Geschichte? Zumindest kennen Sie den Feiertag am 6. Januar.

Moderne Version (anno 2026)

Dem Lichte folgend trafen sich die drei – nicht mehr so ganz jungen – Königsgleichen aus dem Osten im Tal der Geisel. Ihre Majestäten Sven der Unbekannte aus Magdeburg, der in Dresden residierende Sachsenkönig und Mario der Titellose aus Erfurt. Nach gemeinsamer Kreuz- (und Quer-) fahrt auf dem Geiseltalsee mit üppiger Bewirtung folgten das übliche Fotoshooting und die Lobpreisungen der örtlichen Gefolgschaft. Anschließend begab sich der Tross, angeführt von den Lichtgestalten, ins Leunawerk, um sich dort den neu erbauten Mega-Holzhäcksler anzuschauen. Wieder Lächeln, gestellte Fotos und zuversichtliche Worte.

Natürlich hatten sie Geschenke dabei. In der biblischen Geschichte: Gold, Weihrauch und Myrrhe. In der Neuzeit reduziert es sich auf Gold – sprich Geld, Papiergeld, eigentlich nur Papier, das Geld verspricht. Weihrauch? Naja, die Schornsteine rauchen – noch. Myrrhe? Klingt wie Dürre, haben wir schon.

Unser – auf dem Foto der Sonntagszeitung nicht ganz so glücklich dreinschauender – Bürgermeister bekam von seinem Magdeburger Vorgesetzten einen Fördermittelbescheid überreicht. Über 11 Millionen! Da wäre doch etwas mehr Freude zu erwarten. Huldigung! Lobpreisung! Ewige Dankbarkeit!

Die Realität sieht leider anders aus. Das versprochene Geld stammt natürlich nicht aus der Privatschatulle seiner Majestät. Es ist das Geld, das hier erarbeitet wird. Das Geld, das als Gewerbesteuer vom Werk an die Stadt gezahlt wird. Das Geld, das mittels Umlagen und Sonderabgaben von Leuna nach Magdeburg fließt und dort das Staatssäckel füllt. Hunderte Millionen Euro in den letzten Jahren.

Und jetzt, da Wahlkampf ist, muss die Majestät das Volk für sich gewinnen, volksnah wirken, sich spendierfreudig zeigen und die Untertanen bei Laune halten.

Das „11 Millionen-Geschenk“ für Leuna, bezahlt von dem Geld, das Leuna vorher abgegeben musste.

Damit es dem oder der Beschenkten nicht zu gut geht (Ich gendere nicht: es geht um den Bürgermeister und um die Stadt Leuna), darf er/sie auch noch etwas zur Freude des Landesvaters beitragen. Ein Zehnt sei angemessen.

Die Stadt darf also 10% der Fördermittel selbst bezahlen. Im Haushalt sind hierfür 1,12 Millionen Euro eingeplant. Keiner der gewählten Stadträte kannte die Konditionen, als die Gelder in den Haushaltsplan eingestellt wurden. Zugestimmt haben sie dennoch (also die üblichen, die immer das machen, was die Verwaltung will).

Wer zahlt, wenn die Kosten höher sind als geplant? Wann werden die Bauarbeiten beginnen? Wann werden sie enden? Wem gehört das Grundstück am Ende?

Die Antworten: 2x unbekannt, 1x die Stadt Leuna, 1x nicht die Stadt Leuna. Die Zuordnung der Antworten zu den Fragen nehmen Sie bitte selbständig nach Ihren persönlichen Erfahrungen vor.

Udo Bilkenroth

PS: Es geht nur um den Abriss der Ruinen in der Spergauer Straße. Nicht um den Neubau eines Forschungszentrums. Ein Abriss für 11 Millionen! Wer weiß, wer daran alles mitverdienen wird?


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