Noch einmal zum Aquädukt – das Energiesparmodell

Der erste Artikel zum Thema wäre mit der Kostenanalyse zu lang geworden. Daher nur die augenzwinkernd betrachteten „technischen“ Details. Hier nun die Kalkulation der Finanzmittel, für die es keiner höheren mathematischen Fähigkeiten bedurfte. Falls Sie nicht am Zahlenwerk interessiert sind, hier das Fazit: Es hat sich gelohnt.

Die Freunde der Mathematik müssen weiterlesen…

Trotz unbekannter jährlicher Gießwassermenge wage ich eine Vergleichsrechnung:

Bei Entnahme von 10 Tankwagenladungen a 2000 Liter sind es 20 m³/Tag. Mehr ist mit einem Auto trotz Doppelschicht nicht zu schaffen. Berücksichtigt werden müssen auch die Zeiten für An- und Abfahrt, das Gießen und die Pausen fürs Personal.

Eine starke Hitzeperiode dauert 30 Tage = 600 m³. Rechnen wir wegen des Klimawandels lieber mit 50 Tagen Dauersonne, also 1.000 m³. Dann müsste natürlich auch am Wochenende gegossen werden (Vorsicht: Überstunden!).

Was kostet das Wasser aus dem Saalealtarm? Natürlich nichts! Also hervorragend kalkuliert?

Nicht ganz!

Die Leitung hat bisher 20.000 Euro gekostet. Nochmal 5.000 um sie in Gang zu setzen. Ach ja, geplant hat sie auch jemand (10% Planungskosten plus Umsatzsteuer). …und die vielen Arbeitsstunden im Amt (waren natürlich nicht umsonst gewesen). …und…

Rechnen wir mit 25.000 Euro. Abschreibung zwischen 10 und 20 Jahren (die Pumpe schneller, das Rohr langsamer). Rechnen wir mit 15 Jahren, ohne Preissteigerung, ohne Lohnerhöhung und all die anderen unvorhersehbaren Dinge. Leider muss die Anlage auch noch regelmäßig gereinigt, gewartet und geprüft werden. Schließlich der TÜV …und und und
Also optimistisch kalkuliert: 30.000 Euro / 15 Jahre = 2.000 Euro pro Jahr.

Trotz der wunderschönen Leitung ist das Wasser im Saalealtarm nicht bereit, von allein bergauf zu fließen. Auch teure Pumpen brauchen leider Strom. Wieviel? Wie so oft viel mehr als das Energiespar-Label des Elektrogeräts suggeriert. Schätzen wir 200 Euro.

Alternativen?
Gibt es welche?
Wenigstens eine?

Ja!!!

Alternativ könnte das Blümchengießauto am Hydranten befüllt werden. Die Kosten für Trinkwasser liegen bei 2,27 Euro/m³. Die Stadt entnimmt aber Brauchwasser aus der großen Leitung und genehmigt sich bestimmt noch einen kleinen Rabatt. Schließlich gehört ihr der Wasserbetrieb. Rechnen wir mit 1,50 Euro/m³.

Also 1.000 m³ x 1,50 Euro/m³ = 1.500 Euro – so viel kostet das Wasser aus der Leitung.

Ergebnis: Die Kosten übersteigen den Aufwand, selbst in einem sehr, sehr, extrem trockenen Sommer.

Tröstlich, wenn der Sommer, wie in diesem Jahr, verregnet sein sollte. Dann braucht nicht gepumpt zu werden und spart ganz viel Strom. Dumm nur, dass nicht alle Kosten so wetterabhängig sind.

Die Rechnung könnte man überprüfen. Das städtische „Blümchengießauto“ wird nämlich am Hydranten befüllt. Wieviel Kubikmeter waren es im letzten Jahr oder in diesem?

Fazit: Eine Investition in Leunas Zukunft (die ferne).
Ein großes Lob für so viel Weitsicht und einen Dank an alle Steuerzahler.

PS: Und weil schon 6 Jahre kein Wasser gepumpt wurde, haben wir schon 6 Jahre den Strom gespart. Eine satte Ersparnis von 1.200 Euro. Und wenn wir die Anlage unvollendet lassen und auch den Strom in den nächsten 94 Jahren sparen, amortisiert sie sich von ganz allein. Und vielleicht schafft es der Aquaeductus saloviridarius leunensis maximus irgendwann einmal auf Liste technischer Denkmale.

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