Der letzte Leserbrief – eine Nachlese

Liebe Leunaer,

nun hat sogar die mz über die Abschaffung der Rubrik „Anregungen, Meinungen und Informationen von Mitgliedern des Stadtrates“ berichtet (siehe „Nach Ärger um AfD-Beiträge – Leuna streicht Stadtratsrubrik im Stadtanzeiger“, mz vom 22.10.2020). Nehmen Sie sich die Zeitung nochmals zur Hand oder suchen Sie im Internetarchiv der Zeitung.

Interessant ist die Stilistik des Beitrags. Diese kann man je nach Geschmack deuten. Nur ein Beispiel: Sind die in Anführungszeichen gesetzten „Falschbehauptungen“ nun ein wörtliches Zitat oder nutzt sie der Autor dazu, um sich ironisch davon zu distanzieren? Beides wäre möglich. Aber, den Rechtschreibregeln folgend, ist es letzteres, denn sonst hätte der Rest des Satzes wiederum in Anführungszeichen stehen müssen. Dort wird moniert, dass die Beiträge erst 23.45 Uhr am Tag des Redaktionsschlusses eingehen. Nun ja, immerhin rechtzeitig. Die Richtlinie schreibt schließlich: „bis 23.59 Uhr“ vor.

Glaubt denn jemand ernsthaft daran, dass sich die Bürgermeisterin des Nachts ins Rathaus begibt, um Artikel des Stadtanzeigers zu prüfen? Zwischen dem „Redaktionsschluss“ im Sinne des spätesten Abgabetermins für Beiträge und dem eigentlichen Redaktionsschluss, d.h. dem Zeitpunkt, von dem an die Redaktion einer Zeitung vor der Drucklegung keine Änderungen mehr vornehmen kann, liegen 2 oder 3 Arbeitstage. Da ist durchaus Zeit, sich mit dem Inhalt zu beschäftigen und ggf. auch eine Stellungnahme zu schreiben. Streichen und Verbieten ist aber einfacher und geht schneller.

Um die anstrengende Nachtschicht zu vermeiden, wäre es natürlich auch möglich gewesen, den Abgabetermin auf 12 Uhr mittags zu legen. Ist aber nicht beabsichtigt – siehe neue Richtlinie. Es bleibt bei 23.59 Uhr.

Die befragten Herren bedauern es natürlich, dass die Rubrik abgeschafft wurde, finden es aber richtig. Es musste sein. Irgendwie wie früher.  

Und was ist die Aussage meines Leserbriefs? Ich beklage mich über eine angeblich verzerrte Berichterstattung in der Presse. Schade eigentlich, dass der Inhalt des Leserbriefs (komplett im Anhang) darauf reduziert wird. Aber, wie zutreffend ist doch der Satz: „… so ist es die persönliche Sichtweise des Reporters, garniert mit ein paar Zitaten, die er, oft verkürzt und seiner beabsichtigten Aussage gemäß, passend zusammengestellt hat“.

Ich habe mich wegen des Wegfalls des Leserbriefs erkundigt. Im Protokoll zur besagten Sitzung steht nichts dazu. Es ging ausschließlich um die Artikel der Stadtratsfraktionen. Den Leserbrief abzuschaffen, ist also eine einsame Entscheidung der Richtlinien-Erlassenden. Oder hat vielleicht nur die Sekretärin einfach eine Zeile zu viel gelöscht?

Udo Bilkenroth

PS: Der Leserbrief aus dem Stadtanzeiger Leuna September 2020

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