Dafür können wir irgendwann einmal mit dem Rad nach Günthersdorf fahren.

„Stillstände am Chemiestandort. Darum ist Leuna um 15 Millionen Euro ärmer.“ In der mz-online Ausgabe vom 24.1.2019 tauchte der Artikel nur kurz auf, um ziemlich schnell wieder zu verschwinden. Natürlich zeigt die mz immer nur die interessantesten Artikel im Internetportal, wobei ich mich schon öfter gefragt habe, warum sich Belanglosigkeiten über Wochen auf den vorderen Plätzen halten. Wurde der Artikel als anstößig empfunden? Dabei ist er schon ziemlich „weichgespült“. Aber, zwischen den Zeilen könnte der skeptische Betrachter etwas herauslesen. Dabei gibt das Papier nicht annähernd den Inhalt der Diskussion wieder.

Alljährlich wird zu einer Art Alibiveranstaltung eingeladen, immer ziemlich kurzfristig und mit noch knapper bemessener Zeit zur Vorbereitung auf die Sitzung.

In gewollter Ermangelung eines Ortschaftsrates, den es, außer in Leuna-Kernstadt, in allen Ortschaften gibt und der Vorschläge für Investitionen im jeweiligen Ort machen darf, übernimmt diese schwere Aufgabe für alle Kernstädter die Verwaltung gleich selbst. Also, nicht der vom Bürger gewählte Vertreter schlägt etwas vor und auf gar keinen Fall der Bürger selbst. Schließlich wissen nur die im Rathaus, was gut für den „Kernstädter“ ist.

Auf der Veranstaltung wurde die Investitionsliste vorgelegt und zur Diskussion gestellt. Naja, Diskussion ist zu viel gesagt. Es ist der Vorschlag der Verwaltung, der weise überlegt, durchdacht und durch Fakten untermauert ist. Und wenn die Verwaltung etwas vorschlägt, hat man es gut zu finden, zu begrüßen und zuzustimmen. Das Gros der Anwesenden fügte sich in üblicher Weise. Von den meisten war kaum etwas und schon gar keine Kritik zu hören. Warum eigentlich nicht?

Dabei hatten es sowohl der Vortrag des Kämmerers als auch die Investitionsliste in sich. Kurz gesagt, Leuna hat, demnächst und zeitlich begrenzt, einen Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen zu verkraften. Allerdings planmäßig. Die turnusmäßige Großreparatur in einem (in dem) Industriebetrieb steht an und das hat Folgen, wie auch die letzte und die vorletzte und die vorvorletzte – ganz plötzlich und unerwartet. Damit nun kein riesiges Loch in die Haushaltskasse gerissen wird, muss gespart werden. Und wo gespart werden muss, sagt die Verwaltung.

Am neuen Prestigeprojekt jedenfalls nicht. Neues Prestigeprojekt? Kennen Sie nicht? Kannte ich bis zu diesem Tag auch nicht. Der Kanal soll „inwert“ gesetzt werden. Kanal? Etwa das olle Ding am Saalepark? Genau dieser! Dazu gibt es eine Studie, die von der Stadt mitfinanziert wurde (hat ca. 8.000 Euro gekostet). Nun geht es an die Umsetzung der Studie. Man kann doch nicht das viele Geld, das die Studie gekostet hat, einfach so … das wäre schließlich Verschwendung.

Also müssen die Phantasien aus der Studie in reelle Maßnahmen umgesetzt werden. Nicht gleich das Schiffshebewerk nebst Besucherzentrum und Hotellerie. Nein, erst einmal nur ein kleiner Radweg. Ein bescheidener Anfang auf dem Weg zum großen Ganzen. Ein Radweg, quasi ein Beitrag zum Klimaschutz. Ein Freizeitziel, ermöglicht er doch den vielen erholungsuchenden Menschen aus Günthersdorf und Kötschlitz mit dem Rad nach Wüsteneutzsch zu fahren und in umgekehrter Richtung, den schwedischen Möbelhändler direkt mit dem Fahrrad anzusteuern. Welch ein Erlebnis, welch eine Bereicherung für unser täglich Leben!

Der Haken: das Ding soll 5,1 Millionen kosten. Richtig gelesen! Aber es gibt 2 Millionen Fördergeld! besser es könnte 2 Millionen geben…, korrekt: es könnte bis zu 2 Millionen geben, also jede Zahl zwischen Null und 2 Millionen. Sicher, dass Null sehr pessimistisch, zumindest aber nicht falsch, hingegen die Bewilligung von 2 Millionen ein Wunschgedanke ist. Aber sollten wir deshalb auf dieses Projekt verzichten? Leuna baut den Weg auch ohne Fördergelder!

Dafür muss leider an anderer Stelle gespart werden. Die Einwohner von Kötzschau, Schladebach und Witschersdorf verzichten gern auf den Radweg zwischen Kötzschau und Schladebach und den zwischen Kötzschau und Witschersdorf – macht 435.000 Euro. Die Spergauer verzichten auf die Radweganbindung in Richtung Großkorbetha (44.000 Euro). Und auch die kleinsten dürfen nicht vergessen werden und dürfen ihren Beitrag leisten – Verzicht auf den Ausbau der KITA in Witschersdorf…

Besonders hart werden (wieder einmal) die Einschnitte im Straßenausbauprogramm der Gartenstadt Leuna sein. Allen Grundeigentümern ging mit dem 12.01.2018 ein Schreiben zu, in dem über die geplanten Ausbaumaßnahmen informiert wurde – insgesamt 22 Stück. Abgesehen von den 6 schon begonnenen und bald endeten Projekten, sollen 4 um mindestens ein Jahr verschoben werden. Die verbleibenden 12 sind komplett aus der Planung verschwunden. Von den veranschlagten 6 ½ Millionen sind 3 Millionen „freigesetzt“ worden und können einem anderen Zweck zugeführt, sprich kanalisiert werden.

… aber dafür können wir irgendwann einmal mit dem Rad nach Günthersdorf fahren.

PS: Die Investition in den Radweg wurde nicht, wie mz berichtete, gestrichen, sondern nur um 1 Jahr verschoben – im Gegensatz zu den anderen.

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