„Alte Post“ – Sanieren oder nicht?

Liebe Leunaer,

ein stattliches und stadtbildprägendes Gebäude soll umgebaut werden. Hierüber wurde auch in der Mitteldeutschen Zeitung vom 1. April 2019 Seite 13 berichtet. Der Artikel bedarf allerdings einiger Ergänzungen. Die unangenehmen kommen zuletzt.

Es geht vordergründig darum, altersgerechten Wohnraum zu schaffen. Zudem soll an und mit der „Alten Post“ eine Art Stadtzentrum entstehen. Die Idee ist gut, wenn da nicht die Kosten wären. Den Ausspruch: „Wer viel Geld hat und ist dumm, kauft ein altes Haus und baut es um.“ hat der ein oder andere schon mal gehört. Mitleid mit ihm oder Lästerei über denjenigen, der sich so etwas antut oder Neid, weil er sich’s leisten kann? Ich spreche aus Erfahrung und wohne gern in einem 100 Jahre alten Haus. Es hat sich gelohnt, es hat lange gedauert, es war teuer. Bezahlt hab ich‘s selber.

Und da wären wir beim großen Unterschied zwischen dem Hausbesitzer und der „Alten Post“. Jeder der es sich leisten kann und willig ist, soll Altbauten sanieren. Das ist zu begrüßen, zu unterstützen und zu fördern.

Die Idee ist gut, hatte ich schon gesagt. Der Eigentümer/Investor soll unterstützt werden. Die Maßnahme ist ein wesentlicher – wenn nicht der – Bestandteil der Neuauflage des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts. Derzeit wird mit einem Sanierungsaufwand von 7,4 Millionen Euro geplant. 1,45 Millionen soll der Eigenanteil betragen. Das sind nur knapp 20%. Der „normale“ Häuslebauer hätte da schon Schwierigkeiten einen vernünftigen Kredit bei der Bank zu bekommen. Gegen eine Bürgschaft seitens der Stadt habe ich nichts einzuwenden. Schließlich geht es um Daseinsvorsorge und Lebensqualität. Auch sollen bürokratische Hemmnisse möglichst klein gehalten werden (Baugenehmigung, Sondergenehmigung, Straßensperrung…).

Wogegen ich mich jedoch entschieden ausspreche, sind eine verschleierte Subventionierung der Baumaßnahme und die Umlage von Kosten auf die Einwohner der Gartenstadt.

Ich hoffe, dass die WWL über 1,45 Millionen Eigenmittel für den Bau verfügt und diese nicht schon wieder mittels einer „Kapitalerhöhung am Gesellschaftsvermögen“ aus dem Haushalt der Stadt „zugeschossen“ werden müssen. Über diesen kreativen Weg wurden vor einigen Jahren bereits die Balkonanbauten der WWL finanziert (ca. 1 Million Euro).

Es muss bereits jetzt klar festgelegt werden, dass der städtische Haushalt nicht zusätzlich belastet wird, sollten die Baukosten über den Plan hinaus steigen oder die Fördermillionen nicht ganz so zahlreich fließen.

Und!!! Da wäre ich wieder beim Lieblingsthema Straßenausbau, die Kosten für die geplante Neugestaltung des Vorplatzes dürfen nicht auf die Bewohner der Gartenstadt umgelegt werden. Im März 2019 hat der Stadtrat einer rückwirkenden Veränderung des Straßenausbauprogramms der Gartenstadt zugestimmt. Zu Ungunsten der Beitragszahler. Eine Reihe von geplanten Ausbaumaßnahmen wurde gestrichen oder auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben. Stattdessen wurde die Umgestaltung des nördlichen Vorplatzes für geplante 600.000 Euro neu ins Programm aufgenommen. Der erst vor wenigen Jahren sanierte Platz passt nicht so recht ins neue Konzept, also alles raus und neu machen. Die Kosten hierfür zahlen die Bewohner der Gartenstadt (Abrechnungseinheit 5). Ein Dank an die Stadtverwaltung für derartig kreative Methoden der Geldbeschaffung. Ein Dank an die Stadträte, die dem Plan bewusst oder aus Unkenntnis zugestimmt haben.

Der nördliche Vorplatz ist Teil der Sanierungsmaßnahme „Alte Post“ und muss daher über dieses Projekt bezahlt werden – und zwar vollständig. Die Umlage auf die Beitragszahler der Gartenstadt muss rückgängig gemacht werden.

Kommunalwahl 2019

Wahlwerbung muss kurz sein. Komplexe Aussagen werden auf das Wesentliche reduziert. Vieles kann gar nicht aufgezählt werden. Für ausführliche Erklärungen ist kein Platz vorhanden.

Die Kurzversion lautet daher:

Dr. Udo Bilkenroth, 50 Jahre, Pathologe

  • Abschaffung der Beiträge für den Straßenausbau.
  • Kein Geld für neue unkalkulierbare Prestigeprojekte: kein Ausbau und keine „In-Wert-Setzung“ des Saale-Elster-Kanal.
  • Die Erneuerung der Infrastruktur hat Vorrang (Straßen, Trinkwasser, Abwasser).
  • Wiederanschluss des Saalealtarms als Beitrag zum praktischen Umweltschutz.
  • Keine Windkraftanlagen im Gemeindegebiet.

Schon etwas ausführlicher, aber dennoch nicht umfassend:

Name, Alter und Beruf sind die Pflichtangaben auf dem Wahlzettel. Ich wohne in Leuna und bin seit 9 Jahren kommunalpolitisch aktiv. Ich bin, besser ich war, bis zum Beginn des Wahlkampfs, Mitglied des Ausschusses für Bau, Wirtschaft, Stadtentwicklung und Umwelt der Stadt und des Beirats der Stadtwerke Leuna. Ziel meiner Arbeit ist die sparsame Verwendung öffentlicher Gelder und deren Einsatz mit einem maximalen Nutzen zum Wohle aller Bürger der Stadt.

Straßenausbau und Gebühren:

Wenn über den Zustand der Infrastruktur in Deutschland gesprochen wird, fallen einem sofort Begriffe wie marode Brücken, Investitionsstau im Straßenbau und Dauerverspätungen der Bahn ein. Viele reden darüber, gehandelt wird zu wenig. Gleiches gilt in Leuna: viel zu viele Straßen sind in einem miserablen Zustand, ein Großteil der Wasser- und Abwasserleitungen älter als 80 Jahre.

Breitbandanschluss und schnelles Internet sind nur das i-Tüpfelchen. Gute Infrastruktur bedeutet in erster Linie, dass die Grundlagen vorhanden sind und technisch einwandfrei funktionieren.

Für den Straßenausbau wird der Bürger doppelt zur Kasse gebeten, zuerst mit Allgemeinsteuern und zusätzlich durch den Straßenausbaubeitrag. Die Straßen sind öffentlich und können von allen in gleicher Weise genutzt werden. Autobahnen, Bundes-, Landes- und Kreisstraßen werden steuerfinanziert. Bei Kommunalstraßen, der untersten Ebene, wird der Anwohner zusätzlich zur Kasse gebeten. Warum?

In vielen Bundesländern gibt es keine derartigen Gebühren. In Sachsen-Anhalt wird, besser wurde, über eine Abschaffung diskutiert. AfD, Grüne, LINKE und SPD sind für die Abschaffung, die CDU dagegen. Die ersten vier hätten zwar eine komfortable Mehrheit, aber eine gemeinsame Aktion kommt nicht zustande. Und mit der CDU wollen es sich die Koalitionspartner auch nicht verderben. Thüringen ist schon viel weiter. Leipzig hat die Gebühren per Stadtratsbeschluss abgeschafft.

So lange unser Landtag kein Gesetz beschließt, bleibt es bei der Erhebungspflicht. Dennoch kann etwas getan werden, um die Beitragslast für den Bürger zu verringern.

Ich hatte einige Vorschläge eingebracht, wie die Beiträge gesenkt werden könnten. Umgesetzt wurde bisher leider keiner. Ich habe erfolgreich vor Gericht gegen die fehlerhafte Berechnung der Ausbaubeiträge geklagt. Eine erste Beitragsrückerstattung haben die Bewohner der Gartenstadt erhalten.

Ich wende mich energisch gegen städtische Bauprojekte, bei denen ein Teil der Bürger zusätzlich über Straßenausbaubeiträge zur Kasse gebeten werden soll, um die Finanzierung zu gewährleisten. Beispiele sind Zuwegung und Parkplätze an der neuen KiTa sowie der Umbau der „Alten Post“. Veranschlagte Kosten von mindestens 1 Million Euro sollen auf die Beitragspflichtigen umgelegt werden. So hat es der Stadtrat beschlossen.

Prestigeprojekte:

Ich wende mich entschieden gegen Großprojekte der öffentlichen Hand, die hauptsächlich Prestigecharakter haben. Sie verschlingen Unsummen an Steuergeld. Kosten und Bauzeit liegen weit über der ursprünglichen Planung (z.B. BER). Leuna hat mit der Schwimmhalle ausreichend negative Erfahrungen gemacht. Aus geplanten 8 Millionen wurden 20, 21, 22? Deshalb keine neuen Prestigeprojekte auf unsere Kosten!

Es gibt eine Studie zum Saale-Elster-Kanal. Der Kanal ist in den 1940er Jahren leider! – und das ist nicht ironisch gemeint – unvollendet geblieben. Er hätte sonst wirtschaftliche Bedeutung erlangt. Hätte!!!. Mit der besagten neuen Studie, natürlich von der Stadt kofinanziert, soll der Kanalrest „in-Wert-gesetzt“ werden. Sehr kreative Wortschöpfung, noch kreativere Einzelprojekte. Alles für den Tourismus und alles ziemlich teuer. Die Befürworter in im Rathaus und der Stadtrat legen sich richtig ins Zeug, um hier unser Geld zu investieren. Als erstes soll, um das Projekt salonfähig zu machen, ein Radweg gebaut werden. Aber Achtung! Der geplante Radweg am Kanal ist nur ein erster Schritt und soll schon mehr als 5 Millionen Euro kosten.

Großprojekte werden von der Politik gern schöngerechnet, um Zustimmung zu erhalten. Wenn erst einmal mit dem Bau begonnen wurde, kommen plötzlich und unerwartet die Schwierigkeiten. Das Geld reicht nicht. Aber weil schon so viel investiert wurde, muss man weitermachen. Nutzen und Besucherzahlen erweisen sich als zu optimistisch. Und im Nachhinein ist man schlauer. Erst im Nachhinein? Oder wird es wie bei der Schwimmhalle sein: „Ursprünglich hatte einst die Bausumme von 8,3 Millionen Euro im Raum gestanden. Hagenau hatte diese zuletzt als „schon damals unrealistisch“ bezeichnet.“ mz vom 28.01.2019. https://www.mz-web.de/saalekreis/kein-solo-fuer-maenner-stadtraete-lehnen-sauna-nur-fuer-herren-ab-31947302

Im Übrigen war es mit dem vor einiger Zeit stolz verkündeten Baurecht zum Saale-Elster-Kanal auch nicht weit her.

Infrastruktur:

Bei der Infrastruktur denken alle nur noch an Breitband und schnelles Internet. Wenn die digitale Infrastruktur vorhanden ist und hervorragend funktioniert, ist das toll und sehr zu begrüßen. Für alle diejenigen, die auch schon vor dem Internet- und Handyzeitalter lebten, bestand Infrastruktur aus Bahn, Straße, Strom, Wasser, Abwasser…

Die erstgenannte ist in einer (dauerhaft) schwierigen Lage. Bei der Einweihung von Straßen lassen sich Politiker gern ablichten, besonders gern Minister an Autobahnen und Umgehungsstraßen. Über die „Verspargelung“ der Landschaft und steigende Energiepreise wird resignierend gemeckert. Mit den beiden letzten Punkten ist für den (Lokal-)Politiker kein Blumentopf zu gewinnen. Ein Großteil der Wasserleitungen in Leuna ist älter als 80 Jahre, stammt also noch aus Kaisers Zeiten, Weimarer Republik und Drittem Reich, hat einen Weltkrieg und die 40 Jahre DDR überstanden. Aber auch die beste deutsche Wertarbeit ist nicht für die Unendlichkeit geschaffen. Wir müssen dringend die restlichen Wasserleitungen im Stadtgebiet erneuern. Rohrbrüche nehmen zu und führen zu Verlusten von weit über 10.000 m³ Trinkwasser pro Jahr. Selbstverständlich werden die Wasserverluste auf die Gebühren umgelegt.

Leitungserneuerung und Straßenbau gehen Hand-in-Hand, sollten sie zumindest. Wenn der Straßenausbau nicht voran geht, wird’s auch nichts mit neuen Leitungen. Neue Leitungen kosten leider Geld und bringen kein Prestige für medienaffine LokalpolitikerInnen. Ich kann mich zumindest nicht an ein Bild im Stadtanzeiger erinnern: „… bei der Einweihung von 300 Metern neu verlegten Rohrs“.

Naturschutz:

Lasst uns die Natur erhalten. Erfreuen wir uns an der Auenlandschaft unserer Gemeinde. Viel Grün und zahlreiche Gewässer inmitten einer von Bergbau und Industrie geprägten Landschaft. Fehler der Vergangenheit können rückgängig gemacht oder deren Folgen abgemildert werden.

Ich setze mich daher für den Wiederanschluss des Saalealtarms in Leuna ein. Nach vielen Versuchen schaffte es das Projekt ins Stadtentwicklungskonept/Leitbild Leuna 2000plus. Im letzten Jahr wurde sogar (endlich) eine Machbarkeitsstudie erstellt. Die zweitteuerste Variante soll schlappe 5 Millionen Euro kosten, ist aber immerhin schon ohne die uns im Bürgermeisterwahlkampf versprochene Hafenanlage (Marina). Aber 5 Millionen sind utopisch. Immerhin fand mein eigener Vorschlag Zustimmung und wird als Variante 5 geprüft. Die Kosten hierfür dürften deutlich geringer ausfallen, zudem sollen zur Kostensenkung Synergieeffekte genutzt werden (Klärwerkssanierung, Regenwasserableitung, Renaturierung des Göhlitzscher Grabens).

Zur Natur gehört auch ein freier Blick auf diese. Es stehen bereits zahlreiche Windkraftanlagen an den Gemeindegrenzen. Es sollen keine im Gemeindegebiet folgen.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien schreitet voran. Geld lässt sich damit reichlich verdienen. Wer verdient es? Die Betreiber von Windparks und großen Photovoltaikanlagen. Wer zahlt dafür? Die Verbraucher! Schauen Sie doch einmal auf die Energieabrechnung, da gibt es viele Umlagen, Zusatzbeiträge und Steuern. Aber damit nicht genug! Wo schreit man am lautesten nach der Energiewende – in den Großstädten und Stadtstaaten. Da kommt der Strom aus der Steckdose. Wo wird er ökologisch erzeugt – auf dem Lande. Selbst bei einer Verdreifachung der derzeitigen Kapazitäten von Solar- und Windkraftanlagen, reicht die Menge nicht aus, um Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Eine Verzehnfachung der Kapazitäten wäre nötig, um die klimapolitischen Ziele zu erreichen. Sachsen-Anhalt kann schon jetzt (theoretisch zumindest) seinen Bedarf zu 60% aus erneuerbaren Energien sichern. Aber irgendwo müssen auch die vielen Windräder für Halle, Leipzig und Berlin aufgestellt werden. Fahren Sie auf der A9 nach Süden und sehen Sie sich die Landschaft zwischen Weißenfels und Naumburg an – Windrad an Windrad. So soll unsere Aue nicht aussehen.

Straßenausbaubeitrag steigt auf 500%

Liebe Leunaer,
so hätte die Schlagzeile in der Lokalpresse lauten können. Hätte…, doch es kam anders. Zum einen weil die Pressevertreterin im Ausschuss nicht anwesend war, um darüber berichten zu können, zum anderen weil es nicht so lief wie geplant.

„Straßenausbaubeitrag verdoppelt!“ – das ist schon gar keine Pressemeldung wert. Dennoch waren einige Hausbesitzer verwundert, als sie von den neuen Tarifen erfuhren.

Der sich seit einer gefühlten Ewigkeit hinziehende Straßenausbau in der Gartenstadt soll(te) beschleunigt werden, so die offizielle Beschlusslage Anfang 2018. Um dieses Ziel zu erreichen, werden aktuell 14 ct pro Quadratmeter Berechnungsfläche mehr eingeplant als bisher. Schließlich sollen 22 Straßenbaumaßnahmen in 5 Jahren umgesetzt werden.
Der Rest der Beitragserhöhung, nämlich 36%, resultiert daraus, dass die Baumaßnahmen der Vergangenheit 58% teurer wurden als geplant. Ein Fehlbetrag von 1,2 Millionen Euro muss nun irgendwie aufgebracht werden. Die Einwohner der Gartenstadt dürfen sich mit mehr als einer halben Million Euro daran beteiligen. Nun gibt es Meldungen, dass sich bereits Grundstücksbesitzer ans Rathaus gewandt und Beschwerden vorgetragen haben.

Dabei ist es erst gut ein Jahr her, als der geplante „große Coup“ verhindert wurde. Mit einem, sagen wir: „diabolisch genialen Kniff“, wollte man so richtig an der Gebührenschraube drehen. Unnötig zu sagen – natürlich nicht nach unten. Man plante eine Gebührenerhöhung in der Abrechnungseinheit 5 (Gartenstadt) auf das Fünffache. Nicht plus 5% sondern „mal 5“. Der Beitragssatz von 20,9 ct pro Quadratmeter Berechnungsfläche sollte auf 92,5 ct steigen, mit Nachträgen über 1 Euro!
Für die Freunde der Mathematik: ein Plus von 400% oder eine Steigerung auf 500%. Alles aktenkundig unter Sitzungsvorlagen SV 73/10/12C und SV 07/03/13B vom 21.11.2017, die wegen ihres Umfangs (knapp 100 DIN A4-Seiten) hier nicht abgedruckt werden können.

Teuflischer Plan, um die Kassen zu füllen und den Bürger zu schröpfen. Hat aber nicht funktioniert. Ein Dank gilt den Mitstreitern, die in den Ausschüssen und im persönlichen Gespräch, die Stadträte davon überzeugen konnten, sich gegen den Verwaltungsvorschlag zu wenden und ihn nicht, wie sonst üblich, „durchzuwinken“.

Dafür können wir irgendwann einmal mit dem Rad nach Günthersdorf fahren.

„Stillstände am Chemiestandort. Darum ist Leuna um 15 Millionen Euro ärmer.“ In der mz-online Ausgabe vom 24.1.2019 tauchte der Artikel nur kurz auf, um ziemlich schnell wieder zu verschwinden. Natürlich zeigt die mz immer nur die interessantesten Artikel im Internetportal, wobei ich mich schon öfter gefragt habe, warum sich Belanglosigkeiten über Wochen auf den vorderen Plätzen halten. Wurde der Artikel als anstößig empfunden? Dabei ist er schon ziemlich „weichgespült“. Aber, zwischen den Zeilen könnte der skeptische Betrachter etwas herauslesen. Dabei gibt das Papier nicht annähernd den Inhalt der Diskussion wieder.

Alljährlich wird zu einer Art Alibiveranstaltung eingeladen, immer ziemlich kurzfristig und mit noch knapper bemessener Zeit zur Vorbereitung auf die Sitzung.

In gewollter Ermangelung eines Ortschaftsrates, den es, außer in Leuna-Kernstadt, in allen Ortschaften gibt und der Vorschläge für Investitionen im jeweiligen Ort machen darf, übernimmt diese schwere Aufgabe für alle Kernstädter die Verwaltung gleich selbst. Also, nicht der vom Bürger gewählte Vertreter schlägt etwas vor und auf gar keinen Fall der Bürger selbst. Schließlich wissen nur die im Rathaus, was gut für den „Kernstädter“ ist.

Auf der Veranstaltung wurde die Investitionsliste vorgelegt und zur Diskussion gestellt. Naja, Diskussion ist zu viel gesagt. Es ist der Vorschlag der Verwaltung, der weise überlegt, durchdacht und durch Fakten untermauert ist. Und wenn die Verwaltung etwas vorschlägt, hat man es gut zu finden, zu begrüßen und zuzustimmen. Das Gros der Anwesenden fügte sich in üblicher Weise. Von den meisten war kaum etwas und schon gar keine Kritik zu hören. Warum eigentlich nicht?

Dabei hatten es sowohl der Vortrag des Kämmerers als auch die Investitionsliste in sich. Kurz gesagt, Leuna hat, demnächst und zeitlich begrenzt, einen Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen zu verkraften. Allerdings planmäßig. Die turnusmäßige Großreparatur in einem (in dem) Industriebetrieb steht an und das hat Folgen, wie auch die letzte und die vorletzte und die vorvorletzte – ganz plötzlich und unerwartet. Damit nun kein riesiges Loch in die Haushaltskasse gerissen wird, muss gespart werden. Und wo gespart werden muss, sagt die Verwaltung.

Am neuen Prestigeprojekt jedenfalls nicht. Neues Prestigeprojekt? Kennen Sie nicht? Kannte ich bis zu diesem Tag auch nicht. Der Kanal soll „inwert“ gesetzt werden. Kanal? Etwa das olle Ding am Saalepark? Genau dieser! Dazu gibt es eine Studie, die von der Stadt mitfinanziert wurde (hat ca. 8.000 Euro gekostet). Nun geht es an die Umsetzung der Studie. Man kann doch nicht das viele Geld, das die Studie gekostet hat, einfach so … das wäre schließlich Verschwendung.

Also müssen die Phantasien aus der Studie in reelle Maßnahmen umgesetzt werden. Nicht gleich das Schiffshebewerk nebst Besucherzentrum und Hotellerie. Nein, erst einmal nur ein kleiner Radweg. Ein bescheidener Anfang auf dem Weg zum großen Ganzen. Ein Radweg, quasi ein Beitrag zum Klimaschutz. Ein Freizeitziel, ermöglicht er doch den vielen erholungsuchenden Menschen aus Günthersdorf und Kötschlitz mit dem Rad nach Wüsteneutzsch zu fahren und in umgekehrter Richtung, den schwedischen Möbelhändler direkt mit dem Fahrrad anzusteuern. Welch ein Erlebnis, welch eine Bereicherung für unser täglich Leben!

Der Haken: das Ding soll 5,1 Millionen kosten. Richtig gelesen! Aber es gibt 2 Millionen Fördergeld! besser es könnte 2 Millionen geben…, korrekt: es könnte bis zu 2 Millionen geben, also jede Zahl zwischen Null und 2 Millionen. Sicher, dass Null sehr pessimistisch, zumindest aber nicht falsch, hingegen die Bewilligung von 2 Millionen ein Wunschgedanke ist. Aber sollten wir deshalb auf dieses Projekt verzichten? Leuna baut den Weg auch ohne Fördergelder!

Dafür muss leider an anderer Stelle gespart werden. Die Einwohner von Kötzschau, Schladebach und Witschersdorf verzichten gern auf den Radweg zwischen Kötzschau und Schladebach und den zwischen Kötzschau und Witschersdorf – macht 435.000 Euro. Die Spergauer verzichten auf die Radweganbindung in Richtung Großkorbetha (44.000 Euro). Und auch die kleinsten dürfen nicht vergessen werden und dürfen ihren Beitrag leisten – Verzicht auf den Ausbau der KITA in Witschersdorf…

Besonders hart werden (wieder einmal) die Einschnitte im Straßenausbauprogramm der Gartenstadt Leuna sein. Allen Grundeigentümern ging mit dem 12.01.2018 ein Schreiben zu, in dem über die geplanten Ausbaumaßnahmen informiert wurde – insgesamt 22 Stück. Abgesehen von den 6 schon begonnenen und bald endeten Projekten, sollen 4 um mindestens ein Jahr verschoben werden. Die verbleibenden 12 sind komplett aus der Planung verschwunden. Von den veranschlagten 6 ½ Millionen sind 3 Millionen „freigesetzt“ worden und können einem anderen Zweck zugeführt, sprich kanalisiert werden.

… aber dafür können wir irgendwann einmal mit dem Rad nach Günthersdorf fahren.

PS: Die Investition in den Radweg wurde nicht, wie mz berichtete, gestrichen, sondern nur um 1 Jahr verschoben – im Gegensatz zu den anderen.

Gedanken zum Wiedernachluss des Saalealtarms in Leuna

Liebe Leunaer!

Im aktuellen Stadtanzeiger (12/2018) können Sie einen Artikel lesen, der sich mit dem Wiederanschluss des Saalealtarms in Leuna beschäftigt. Genauer gesagt, es handelt sich um einen Bericht über die Bauausschusssitzung vom November 2018.

Natürlich kann der kurze Bericht nicht alle Fakten aufzeigen, die in dem 30-minütigen Vortrag zur Sprache kamen. Aber vielleicht regt er an, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen und sich mit meinen Ansichten auseinander zu setzen.

Beim Wiederanschluss des alten Saalearms geht es nicht nur um die eigentliche Verbindung zwischen Altarm und Saalestrom. Es bestehen eigentlich drei Probleme, die gleichzeitig gelöst werden könnten und sollten.

  1. Der Saalealtarm verlandet zusehends, die Wasserqualität verschlechtert sich.
  2. Das städtische Klärwerk braucht eine Nachrüstung und einen neuen Abfluss.
  3. Die städtische Kanalisation läuft bei Starkregen über.

Die Probleme bestehen nicht erst seit heute oder gestern, sondern schon einige Jahre.

Wurden sie gelöst? Nein.

Wurde bisher eine dauerhafte und nachhaltige Lösung angestrebt? Nein.

Es wurde in der Vergangenheit nach minimalistischer Art vorgegangen, um Probleme „zu lösen“, besser einen – geradeso ausreichenden – gesetzeskonformen Zustand herzustellen.

Da die Erläuterungen ziemlich umfangreich ausfallen werden, stelle ich fürs erste den Teil des Bauausschussprotokolls ein, der den Inhalt des Vortrags zusammenfasst.

Fortsetzung folgt…

Foto Udo Bilkenroth

Saalealtarm Leuna
Saalealtarm Leuna

Protokoll von Udo Bilkenroth

Zur Gestaltung des Saalealtarms und seiner Umgebung
(Zusammenfassung zum Vortrag im BA November 2018)

Saalealtarm:

  • künstlich entstanden
  • biologisches Gleichgewicht gefährdet durch:
      1. Eutrophierung
      2. Hochwasser
      3. Mischwasserkanalisation und Starkregen
  • Folgen:
    1. Verschlammung
    2. starkes Algenwachstum
    3. Umkippen“

hierzu Bilder der letzten Hochwasserereignisse und –folgen

Dokumente, Planungsskizzen zum Saaledurchstich

Veränderungen des Altarms, speziell seiner Wasserführung und der Umgebung dokumentiert anhand von Luftbildern von 1925 bis 2016

Aktueller Zustand 83 Jahre nach oberstromiger und mindestens 50-jähriger vollständiger Abtrennung von der Saale:

  • Schlammhöhe 92 cm (2011), mittlerer Zuwachs 12 mm pro Jahr
  • Wasserstand höher als Saale, Studie (2011) + 67 cm, eigene Messungen (2018) + 60 cm

Was also tun?

  • kompletter Wiederanschluss?
  • Ausbaggern auf Niveau Saalegrund?
  • Wiederschiffbarmachung?

Nichts davon! Bescheiden bleiben! Kosten beachten!

Ziele:

  • dauerhafter Erhalt einer freien Wasserfläche
  • dauerhafter Erhalt der bisherigen Wasserhöhe
  • dauerhafter Erhalt oder Verbesserung der Wasserqualität

Maßnahmen:

  • Neueintrag von Material bei Hochwasser vermindern:
  • Umwandlung Ackerfläche in Dauergrünland – Sedimentationsfläche schaffen und Abtrag von Mutterboden verhindern
  • Schaffen von weiteren Gehölzinseln, Wildhecken sowie Baumreihen an den Wegen zur Strömungsverlangsamung
  • Hochwasserabfluss ermöglichen:
  • Sohlgleite an der ehem. unterstromigen Anbindung (Sohle ca. 150 cm unter dem derzeitigen Niveau des Radwegs)
  • Gleichbleibender Wasserstand im Saalealtarm auf Frühjahrsniveau (Ausnahme: Hochwasserfall)
  • Hierzu Frischwasserzufuhr im Sommer und Herbst notwendig (Wasserbedarf max. 280 m³/Tag)
  • Keine Entnahme von Saalewasser (Salzgehalt, Schwebstoffe, Kosten für Leitung, Pumpe, Strom)
  • stattdessen Reaktivierung des Göhlitzscher Grabens
    1. Speisung aus: Klärwerk, Göhlschke, Niederschlagswasserableitung
    2. Zusammenarbeit mit den Stadtwerken, da Nachrüstung am Klärwerk ansteht und Neubau der Leitung zum Vorfluter notwendig ist
    3. zusätzliche Schilfkläranlage einplanen

Entschlammung

  • Hauptkostenfaktor (Millionen Euro)
  • keine ausreichende Fläche in unmittelbarer Nähe vorhanden, um 25.000m³ Schlamm zwischenzulagern
  • komplette Entschlammung bedeutet Zerstörung der vorhandenen Flora und Fauna
  • Teilentschlammung ist ausreichend (Vorschlag maximal ein Drittel)
  • Sohlgleite verhindert Ausschwemmung des vorhandenen Schlamms in die Saale auch bei Hochwasser
  • Dreiteilung zum Erhalt und zur Verbesserung der biologischen Vielfalt
  • Belassen:
    1. Verlandungs- und Flachwasserzone (Fährhaus bis Mündung Göhlitzscher Graben)
    2. derzeit tiefste Zone (Göhlitzscher Graben bis Vogelquelle)
  • Entschlammung, Teilentschlammung:

(Vogelquelle bis Wiederanschluss) z.Z. stärkste Sediment-schicht, Schaffen von einzelnen Tiefwasserzonen

sonstige Maßnahmen

  • Bootsverkehr?
    • Motorboote (nicht möglich, wegen Sohlgleite)
    • Bootsanleger für Paddelboote – unsinnig:
      • da bereits 2 Anleger in der Saale Höhe Fährhaus vorhanden;
      • Umtragen der Boote von Saale in den Altarm nötig
  • Wege
    • Wanderwege! (Wandern, Spazieren, Joggen, Fahrrad, Kinderwagen)
    • kein Pflaster, kein Asphalt – wegen Oberflächenversiegelung im Hochwassergebiet
    • Kosten und Pflegeaufwand sehr gering bei wassergebundenen Wegen
    • kein Befahren der Fußwege mit PKW, Transporter, LKW
  • Hangsicherung?
    • keine prophylaktische Betonierung oder Einbau von Gabionen
    • rechtzeitiges Fällen abgestorbener Bäume
    • Nachpflanzung, Gehölzaufbau durch Sukzession
    • PFLEGE !

Irrtum vom Amt: Saale und Saale-Elster-Kanal verwechselt

Ein Irrtum ist da der Bürgermeisterin unterlaufen, als sie nach einer alten Behördenentscheidung, einem sogenannten Planfeststellungsbeschluss, suchte und fündig wurde. Demnächst feiert dieses Dokument Geburtstag – seinen 83. – genau am 29. November.

Im Jahr 2016 ging eine Meldung durch die hiesige Weltpresse. Sowohl Mitteldeutsche Zeitung* als auch Leipziger Volkszeitung** berichteten über das sensationelle Ereignis im Leunaer Stadtarchiv. Ein vergilbtes Papier ward gefunden, dem große Bedeutung beigemessen wird. Ein Dokument, das, ich zitiere hier die MZ vom 08. März 2016, die Bürgermeisterin zu dem Satz veranlasste: „Also ich sehe es so, dass wir für den Weiterbau des Saale-Elster-Kanals noch immer Baurecht haben.“

Hat eigentlich irgendjemand das Dokument gelesen? Haben es die Berichterstatter wenigstens einmal durchgeblättert? Wenigstens die erste halbe Seite angeschaut, die als Foto in den eigenen Zeitungen erschienen ist. Offenbar nicht!

Wie man (frau) aus diesem Dokument ein bestehendes Baurecht für den Saale-Elster-Kanal ableiten kann, ist nicht nachzuvollziehen. In dem sooo bedeutsamen Schriftstück geht es nämlich nicht einmal um den Kanal.

Es befasst sich mit dem: „Ausbau des Saaledurchstichs in der Gemeinde Leuna“. Das ist bereits oben auf der ersten Seite (Zeitungsfoto) lesbar. Wenn es sich um den Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau des Saale-Elster-Kanals handeln würde, hätten dort die drei entscheidenden Worte stehen müssen: „Saale“, „Elster“ und „Kanal“. Tun sie aber nicht!

Ich habe mir die Mühe gemacht und die Abschrift des 6-seitigen Dokuments gelesen. Ich werde nachfolgend anhand von Textstellen belegen, dass der Planfeststellungsbeschluss nichts mit der geplanten Kanalverbindung von Leipzig zur Saale zu tun hat.
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Noch einmal zum Aquädukt – das Energiesparmodell

Der erste Artikel zum Thema wäre mit der Kostenanalyse zu lang geworden. Daher nur die augenzwinkernd betrachteten „technischen“ Details. Hier nun die Kalkulation der Finanzmittel, für die es keiner höheren mathematischen Fähigkeiten bedurfte. Falls Sie nicht am Zahlenwerk interessiert sind, hier das Fazit: Es hat sich gelohnt.

Die Freunde der Mathematik müssen weiterlesen…Weiterlesen

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