„Alte Post“ – Sanieren oder nicht?

Liebe Leunaer,

ein stattliches und stadtbildprägendes Gebäude soll umgebaut werden. Hierüber wurde auch in der Mitteldeutschen Zeitung vom 1. April 2019 Seite 13 berichtet. Der Artikel bedarf allerdings einiger Ergänzungen. Die unangenehmen kommen zuletzt.

Es geht vordergründig darum, altersgerechten Wohnraum zu schaffen. Zudem soll an und mit der „Alten Post“ eine Art Stadtzentrum entstehen. Die Idee ist gut, wenn da nicht die Kosten wären. Den Ausspruch: „Wer viel Geld hat und ist dumm, kauft ein altes Haus und baut es um.“ hat der ein oder andere schon mal gehört. Mitleid mit ihm oder Lästerei über denjenigen, der sich so etwas antut oder Neid, weil er sich’s leisten kann? Ich spreche aus Erfahrung und wohne gern in einem 100 Jahre alten Haus. Es hat sich gelohnt, es hat lange gedauert, es war teuer. Bezahlt hab ich‘s selber.

Und da wären wir beim großen Unterschied zwischen dem Hausbesitzer und der „Alten Post“. Jeder der es sich leisten kann und willig ist, soll Altbauten sanieren. Das ist zu begrüßen, zu unterstützen und zu fördern.

Die Idee ist gut, hatte ich schon gesagt. Der Eigentümer/Investor soll unterstützt werden. Die Maßnahme ist ein wesentlicher – wenn nicht der – Bestandteil der Neuauflage des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts. Derzeit wird mit einem Sanierungsaufwand von 7,4 Millionen Euro geplant. 1,45 Millionen soll der Eigenanteil betragen. Das sind nur knapp 20%. Der „normale“ Häuslebauer hätte da schon Schwierigkeiten einen vernünftigen Kredit bei der Bank zu bekommen. Gegen eine Bürgschaft seitens der Stadt habe ich nichts einzuwenden. Schließlich geht es um Daseinsvorsorge und Lebensqualität. Auch sollen bürokratische Hemmnisse möglichst klein gehalten werden (Baugenehmigung, Sondergenehmigung, Straßensperrung…).

Wogegen ich mich jedoch entschieden ausspreche, sind eine verschleierte Subventionierung der Baumaßnahme und die Umlage von Kosten auf die Einwohner der Gartenstadt.

Ich hoffe, dass die WWL über 1,45 Millionen Eigenmittel für den Bau verfügt und diese nicht schon wieder mittels einer „Kapitalerhöhung am Gesellschaftsvermögen“ aus dem Haushalt der Stadt „zugeschossen“ werden müssen. Über diesen kreativen Weg wurden vor einigen Jahren bereits die Balkonanbauten der WWL finanziert (ca. 1 Million Euro).

Es muss bereits jetzt klar festgelegt werden, dass der städtische Haushalt nicht zusätzlich belastet wird, sollten die Baukosten über den Plan hinaus steigen oder die Fördermillionen nicht ganz so zahlreich fließen.

Und!!! Da wäre ich wieder beim Lieblingsthema Straßenausbau, die Kosten für die geplante Neugestaltung des Vorplatzes dürfen nicht auf die Bewohner der Gartenstadt umgelegt werden. Im März 2019 hat der Stadtrat einer rückwirkenden Veränderung des Straßenausbauprogramms der Gartenstadt zugestimmt. Zu Ungunsten der Beitragszahler. Eine Reihe von geplanten Ausbaumaßnahmen wurde gestrichen oder auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben. Stattdessen wurde die Umgestaltung des nördlichen Vorplatzes für geplante 600.000 Euro neu ins Programm aufgenommen. Der erst vor wenigen Jahren sanierte Platz passt nicht so recht ins neue Konzept, also alles raus und neu machen. Die Kosten hierfür zahlen die Bewohner der Gartenstadt (Abrechnungseinheit 5). Ein Dank an die Stadtverwaltung für derartig kreative Methoden der Geldbeschaffung. Ein Dank an die Stadträte, die dem Plan bewusst oder aus Unkenntnis zugestimmt haben.

Der nördliche Vorplatz ist Teil der Sanierungsmaßnahme „Alte Post“ und muss daher über dieses Projekt bezahlt werden – und zwar vollständig. Die Umlage auf die Beitragszahler der Gartenstadt muss rückgängig gemacht werden.

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