Das Witzschersdorfer Holz


Liebe Leunaer,

mal etwas neues… …eine Art Leserbrief.

Es geht um ein kleines Waldstück im Leunaer Gemeindegebiet, eigentlich unbedeutend. In seiner Größe nicht vergleichbar mit dem Schwarzwald oder dem Thüringer Wald. Geschichtlich eher belanglos, keine Schlacht wie im Teutoburger, wo Germanen siegreich auf die Römer eindroschen. Auch reicht die biologische Vielfalt nicht an die eines Hainich heran. Eben nur ein kleines Waldstück, ein Wäldchen, ein Holz, das Witzschersdorfer.

Diese verwilderte Ansammlung von Bäumen, Sträuchern und Kräutern ist offenbar dem Ordnungssinn der Verwaltung ein Dorn im Auge. Jahrelang wurde nichts gemacht, das Grün grünte im Frühling, ergraute im Herbst, ergrünte erneut usw.

Jetzt plötzlich droht Gefahr für Leib und Leben! Gefahr im Dickicht! Rette sich, wer kann!

Früher, als man noch die Bildung an der Polytechnischen Oberschule genießen durfte, wusste man, dass im Wald waldtypische Gefahren lauern. „Und im Wald da sind die Räuber“ – ist hier nicht gemeint. Es sind Zweige oder Äste, die abbrechen und sich – der Schwerkraft folgend – nach unten bewegen. Gelegentlich fallen auch ganze Bäume um oder ein Reh springt über den Weg. Wer weiß, vielleicht kommt demnächst auch der Wolf… also kein rotes Käppchen aufsetzen.

Nun ja, die Verwaltung meint, es gäbe eine Gefahrenlage. Und was macht man als erstes? Man stellt Schilder auf. Und dann? Eigentlich nichts.

Leider überkommt uns diesmal der Aktionismus. Leider! Die Gefahr muss beseitigt werden oder das Ding, von dem die Gefahr ausgeht, also der Gefährder. Nun kann von jedem Baum eine Gefahr ausgehen, also ist jeder Baum ein Gefährder, zumindest ein potentieller. Und Gefährder müssen, wie wir es aus dem Munde vorwiegend bajuwarischer Politprofis hören,  konsequent abgescho… – ähm, in unserem Fall abgeholzt – werden.  

Udo Bilkenroth

Nun, Polemik aus und zurück zur Sache. Hier die Information des Herrn Andreas Strobel, Mitglied im Stadtrat Leuna und im Ortschaftsrat Kötzschau.  

Bürgerinformation zum Witzschersdorfer Holz

Im Sommer habe ich eine Anfrage an die Stadtverwaltung Leuna gestellt, nachdem bekannt geworden war, dass im Witzschersdorfer Holz ein forstlicher Eingriff von rund 2,8 Hektar geplant sei – großflächige Abholzung lediglich mit Erhalt eines schmalen äußeren Randstreifens zur optischen Abschirmung. Diese Information sorgte bei vielen Bürgerinnen und Bürgern verständlicherweise für große Verunsicherung.

Am 10. September wurde bei einer Informationsveranstaltung erklärt, dass kein Starttermin festgelegt sei, gleichzeitig aber verkehrssichernde Maßnahmen vorgesehen sind. Gefahr in Verzug bestünde also nicht.

Daraufhin brachte die AfD-Fraktion einen Antrag in den Stadtrat ein, der ausschließlich das Ziel hatte, dass sich der Stadtrat grundsätzlich zum Erhalt des Witzschersdorfer Holzes positioniert. Die zuerst angedachte Form einer Bürgerbeteiligung, etwa ein Workshop- oder Aktionstag, war bereits abgelehnt worden.

In der Stadtratssitzung erklärte unser CDU-Bürgermeister, ein solcher Beschluss sei nicht erforderlich, da er auf eigene Verantwortung andere Wege finden wolle. Der AfD-Antrag wurde mehrheitlich abgelehnt. Auffällig war, dass alle Stadträte von BfL und CDU, die zugleich Mitglieder des Ortschaftsrates Kötzschau sind, einheitlich dagegen stimmten.

Im Februar wurde der Wald erneut durch das Forstamt begangen, um alternative Varianten zu prüfen. Parallel dazu fanden im Wald praktische Arbeiten im Zusammenhang mit einem Feuerwehr-Kettensägenlehrgang statt. Wer hat diesen Lehrgang genehmigt? Weswegen fand er im geschützten Witzschersdorfer Holz statt? Wurden nur abgestorbene Bäume gefällt? Stellten diese Bäume eine Gefahr für Leib und Leben dar?

Bei diesem Lehrgang fiel reichlich Holz an. Wo ist es geblieben? Offenbar nicht mehr im Wald und damit offensichtlich nicht mehr im Besitz der Stadt Leuna. Vor diesem Hintergrund stellt sich die sachliche Frage, auf welcher Grundlage das Holz weitergegeben wurde und wer aktuell darüber verfügt.

Ich gehe derzeit davon aus, dass die Maßnahme genehmigt war. Allerdings ergibt sich daraus ein erkennbarer Widerspruch zwischen der Zusicherung im Stadtrat, wonach vorerst keine Maßnahmen erforderlich seien, und der Baumfällaktion.

Mir geht es nicht um Symbolpolitik, sondern um Transparenz, Verlässlichkeit und einen verantwortungsvollen Umgang mit einem Waldgebiet, das für viele Menschen vor Ort von großer Bedeutung ist.


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